Wendlingen am Neckar/Plankstadt. Am vergangenen Wochenende fand der 12. ordentliche Verbandstag des Dachverbandes der ehrenamtlich organisierten Gemeinschaftsverkehre im Land Baden-Württemberg „proBürgerBus Baden-Württemberg e.V.“ in Plankstadt statt. Der kleine Ort in der Kurpfalz nahe Schwetzingen gelegen feierte sein 10jähriges Bürgerbusjubiläum.
Der Geschäftsführende Vizepräsident Fred Schuster aus Wendlingen am Neckar konnte in Vertretung des erkrankten Präsidenten Bürgermeister Andreas Zaffran (Bad Wimpfen) die Vertreter von 21 der 39 Mitglieder aus dem ganzen Land begrüßen. Er bedankte sich bei Bürgermeister Nils Drescher und dem Team des Bürgerbusvereins um Uwe Hornung und Sigrid Schüller für die Gastfreundschaft. Die weiteste Anreise hatten die Delegierten aus Bad Krozingen und Breisach.
Begrüßen konnte er auch zahlreiche Ehrengäste. So die Landtagsabgeordnete und verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis90/Die Grünen Silke Gericke und den Hauptgeschäftsführer des Landkreistages Baden-Württemberg, Herr Prof. Dr. Alexis von Komorowski. Aus den beiden Partnerverbänden in Deutschland begrüßte er Herrn Franz Heckens aus Nordrhein-Westfalen und Herrn Alfons Mechlinski aus Niedersachsen.
In Ihrem Grußwort hob Frau Gericke für den Landtag die Bedeutung der Bürgerbusse hervor. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sie selbst im ländlichen Raum aufgewachsen sei, wisse sie um die Probleme der Teilhabe vor allem von älteren Menschen. Diese seien derzeit nur durch örtliches ehrenamtliches Engagement lösbar. Sie sieht hier im Landtag eine breite Unterstützung.
Die neue Verkehrsministerin von Baden-Württemberg, Frau Nicole Razavi, CDU, konnte aus Termingründen zwar nicht persönlich anwesend sein, richtete aber über Videobotschaft ihre Grüße aus. Sie versicherte, dass das Land auch weiterhin die Arbeit der Ehrenamtlichen im Mobilitätsbereich als notwendig ansehe und diese weiterhin auch in der Förderung unterstützen werde.
In seinem Geschäftsbericht hob Fred Schuster unter anderem hervor, dass der Verband auch im vergangenen Jahr mit Unterstützung der Nahverkehrsgesellschaft NVBW wieder zahlreiche Projekte vor Ort beraten habe, unabhängig davon, ob diese Mitglied im Verband sind. Er nannte dabei explizit Ispringen, Ölbronn-Dürrn, Sonnenbühl, Niederstetten, Dettingen/Erms und Ostrach. Der Verband habe auch wieder eine von der Akademie ländlicher Raum in Zusammenarbeit mit der NVBW in Kirchzarten durchgeführten Infoveranstaltung mitgestaltet. Insgesamt hob Schuster das gute Verhältnis zur NVBW besonders hervor.
Inhaltlich habe der Verband ein Positionspapier zur Gemeinnützigkeit von Bürgerbussen erarbeitet, das noch in diesem Jahr an die Vertreter der Politik in den Bereichen Verkehr und Finanzen gehen soll. Gerade das Beispiel Plankstadt zeige, wie die heutige Rechtslage kleine Bürgerbusvereine, die ja völlig selbstlos und vollständig ehrenamtlich arbeiteten, in massive Bedrängnis bringen kann.
Ein weiteres Projekt, welches der Verband in Abstimmung mit den beiden Partnerverbänden noch im Herbst an die zuständigen Politiker im Bund herantragen will, sei die ausdrückliche Berücksichtigung der Bürgerbusse nicht nur mit elektrischem Antrieb bei der Umsetzung der neuen Fahrerlaubnisrichtlinie der EU in nationales Recht.
Auch auf Landesebene habe man Aufgaben vor sich. Die Förderkulisse sei zwar in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden, man habe aber zum Beispiel im Vergleich mit Nordrhein-Westfalen noch Luft nach oben. Bei der Gewährung der Organisationspauschale sei das Land bislang den Bitten des Verbandes nach einer Differenzierung nach Organisationsaufwand der einzelnen Verkehrsarten nicht nachgekommen.
Die Nachricht von der Erkrankung des amtierenden Präsidenten verbunden mit der Ankündigung, nicht mehr für diese Aufgabe zur Verfügung stehen zu können, habe den Verband natürlich getroffen. Man habe im Vorstand sehr sorgfältig sondiert und habe schließlich eine höchst geeignete Persönlichkeit finden und überzeugen können. Mit der Landtagsabgeordneten Silke Gericke könne man neben dem großen Knowhow in Sachen ÖPNV auch auf ein großes Wissen um die Wichtigkeit der Bürgerbusse rechnen. Dies habe sie zu seiner Wunschkandidatin gemacht.
Der Finanzbericht von Vizepräsident Helmut Benke aus Ebersbach wies im Rechnungsjahr 2025 einen leichten Verlust von rund 1900€ aus. Dies führte er vor allem auf die beiden aus aktuellem Anlass eingeschobenen Veranstaltungen zurück. Die Teilnahme am Deutschen Seniorentag in Mannheim und das kurzfristig angesetzte Arbeitstreffen der Landesverbände in Kassel waren in der Finanzplanung nicht enthalten. Im kommenden Jahr werde sich das Ergebnis im Wesentlichen auch am einer Veranstaltung messen lassen.
Im Jahr 2027 sieht der Landesverband mit Unterstützung der NVBW wieder die Organisation eines Landestreffens der Bürgerbusinitiativen vor. Vor diesem Hintergrund rechnet Benke mit einem kleineren Minus beim Rechnungsergebnis. Nach Vorlage des Prüfungsberichts durch Kassenprüfer Willi Wiemann aus Bad Krozingen konnte Bürgermeister Nils Drescher eine einstimmig Entlastung des Vorstandes durch die Mitglieder feststellen.
Bei den folgenden Wahlen wurde Silke Gericke einstimmig zur neuen Präsidentin des Landesverbandes gewählt. Ebenso einstimmig wurde Finanzvizepräsident Helmut Benke in seinem Amt bestätigt.
Nachfolgerin von Kassenprüfer Willi Wiemann, der nach 12 Jahren im Amt aufhörte und für seine lange und verantwortungsvolle Tätigkeit mit der bronzenen Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet wurde, wurde die Ebersbächerin Britta Wörner.
Silke Gericke will vor allem die Sache der Bürgerbusse und den Landesverband und seine Leistungen sichtbarer machen. Dies nicht nur in der Politik und Öffentlichkeit, sondern auch im Bewußtsein anderer Akteure im Nahverkehr. Beispielhaft wandte sie sich an Herrn von Komorowski vom baden-württembergischen Landkreistag, dem sie sehr für seinen Besuch dankte. Sie freue sich, die Interessen der Bürgerbusse in ihre neuen Amt noch intensiver unterstützen zu können.
Pressemitteilung des Landesverbandes proBürgerBus Baden-Württemberg e.V.